Blick von der Kathedrale über die Dächer von Palma auf den Hafen, oben rechts das Castell de Bellver
Insider · 6 Min. Lesezeit

Stadtpalast-Hotels in Palma: Schlafen hinter historischen Mauern

Hinter den schlichten Fassaden der Altstadt liegen Innenhöfe mit Steintreppen, Bögen und Loggien. Was ein Stadtpalast als Hotel bietet, welches Viertel passt und wie die Anreise gelingt.

Palmas Altstadt zeigt sich zur Straße hin zurückhaltend. Hohe Fassaden aus hellem Stein, schwere Holztore, wenige Fenster im Erdgeschoss: Von außen verrät kaum ein Haus, was es birgt. Steht ein Tor offen, fällt der Blick in einen Innenhof mit Säulen, flachen Bögen und einer breiten Treppe, die zu den Wohnräumen hinaufführt. Diese Stadtpaläste, auf Mallorquinisch casals, ließen Adels- und Kaufmannsfamilien über Jahrhunderte bauen und umbauen. Einige von ihnen sind heute kleine Hotels. Wer dort wohnt, erlebt Palma nicht von der Promenade aus, sondern von innen.

Der Patio: das Herz des Hauses

Jeder casal ist um seinen Hof gebaut. Durch das Tor betritt man den Patio, von dort führt eine Steintreppe in die planta noble, das Hauptgeschoss mit den großen Räumen der Familie. Viele Häuser stehen auf mittelalterlichen Grundmauern. Ihre heutige Gestalt bekamen die meisten Patios jedoch im 17. und 18. Jahrhundert, als der Barock Säulen in verschiedenen Stilen, Wappen und breite Prachttreppen in die Höfe brachte.

Als Vorbild gilt der Patio von Can Oleza aus dem späten 17. Jahrhundert: sehr flache Bögen, ionische Säulen, eine Loggia im Obergeschoss und ein Geländer aus Schmiedeeisen. Diese Komposition prägte im 18. Jahrhundert viele Umbauten in der Stadt. Dazu kommt, was man in diesen Häusern bis heute spürt: dicke Mauern, die im Sommer die Hitze draußen halten, hohe Räume und Decken aus Holzbalken.

Vom Adelshaus zum kleinen Hotel

Nicht jeder Stadtpalast blieb in Familienhand. Manche wurden in Wohnungen geteilt, andere gehören heute der Stadt: Der Casal Solleric am Passeig des Born, zwischen 1763 und 1775 gebaut, ist seit 1985 ein öffentliches Ausstellungshaus, der Casal Balaguer in der Carrer de la Unió ein städtisches Kulturzentrum. Und einige wurden zu Hotels mit wenigen Zimmern umgebaut.

Ein solcher Umbau folgt dem Haus, nicht umgekehrt. Fassade, Patio und Treppe bleiben, die Zimmer fügen sich in die vorhandenen Räume. Deshalb gleicht selten ein Zimmer dem anderen: Das eine hat die hohe Decke der planta noble, ein anderes liegt unter dem Dach mit Blick über die Ziegel, ein drittes geht direkt auf den Hof. Bäder und Aufzüge kamen nachträglich hinzu und richten sich nach den alten Mauern. Fragen Sie vor der Buchung, in welchem Geschoss Ihr Zimmer liegt, ob es zum Patio oder zur Gasse zeigt und ob ein Aufzug alle Etagen erreicht.

Was Gäste erwartet

Ein Stadtpalast-Hotel ist klein, und genau das macht seinen Reiz aus. Bei einer überschaubaren Zahl an Zimmern kennt man die Gäste oft beim Namen, das Frühstück gibt es im Patio oder in einem der alten Salons, und abends ist der Hof ein ruhiger Ort für ein Glas Wein, bevor es zum Essen in die Gassen geht.

  • Ruhe mitten in der Stadt: Dicke Mauern und der Innenhof schirmen vom Leben auf der Straße ab. Zimmer zum Patio sind meist die stillsten.
  • Die Dachterrasse: Über den Dächern der Altstadt öffnet sich der Blick auf Kirchtürme, die Kathedrale und, je nach Lage, die Bucht. Viele Häuser nutzen ihr Dach als Terrasse für Frühstück, Lesestunde oder den Abend.
  • Der kleine Pool: Wo Platz ist, liegt ein Becken im Hof oder auf dem Dach. Es ist zum Abkühlen gedacht, nicht zum Bahnenschwimmen, und an heißen Nachmittagen genau das Richtige.
  • Geschichte, die man berühren kann: Steinbögen im Zimmer, alte Fliesen, ein Treppenhaus, durch das schon viele Generationen gegangen sind.

Die Viertel der Altstadt

Palmas Altstadt ist kompakt, die meisten Wege sind in wenigen Minuten zu Fuß zu schaffen. Jedes Viertel hat dennoch seinen eigenen Ton.

Rund um die Kathedrale liegt das historische Zentrum der Stadt, zwischen der Kathedrale La Seu, dem Königspalast der Almudaina und den Plätzen und Gassen dahinter. Tagsüber ist hier viel unterwegs, am Abend wird es still.

Sa Calatrava im Südosten der Altstadt gehört zu den ältesten Vierteln der Stadt. Ein ruhiges Wohnviertel mit engen Gassen, herrschaftlichen Häusern und, an seinem Rand, dem Blick aufs Meer.

Sa Llotja im Westen, benannt nach der gotischen Börse am Hafen, ist das Viertel für den Abend: Gassen mit Tapas-Bars und Restaurants, nur ein paar Schritte vom Passeig des Born entfernt.

Santa Catalina liegt gleich westlich der Altstadt, ein früheres Viertel der Seeleute mit Markthalle, kleinen Restaurants und viel Leben. Von jeder Adresse in der Altstadt ist es gut zu Fuß zu erreichen.

Patios entdecken, auch ohne Zimmerschlüssel

Einen Patio von innen sehen kann jeder. Der Casal Solleric empfängt Besucher mit seinem Hof und der großen Treppe zu den einstigen Empfangsräumen, und der Casal Balaguer besitzt einen der eindrucksvollsten erhaltenen Patios der Stadt. Rund um Fronleichnam im Frühsommer lädt die Stadt traditionell zu Konzerten in die Patios ein, in früheren Jahren auch zu geführten Rundgängen. Termine und Programm stehen jeweils im Festkalender der Stadt. Und auf jedem Spaziergang gilt: Ein offenes Tor ist eine Einladung zum Hineinschauen, nicht zum Hineingehen.

Anreise, Gepäck und Wege

Vom Flughafen sind es gut elf Kilometer in die Stadt. Ein Taxi braucht je nach Verkehr etwa 15 bis 20 Minuten, der Flughafenbus A1 fährt in rund einer halben Stunde unter anderem bis zur Porta des Camp und zur Plaça d’Espanya am Rand der Altstadt.

Die Altstadt ist in weiten Teilen verkehrsberuhigt, und gerade das macht sie zum Gehen so angenehm. In die Zonen mit Zufahrtsbeschränkung fahren nur berechtigte Fahrzeuge, Kameras lesen dort die Kennzeichen. Klären Sie deshalb vorab mit dem Hotel, wo Taxi oder Transfer am nächsten halten können und ob jemand beim Gepäck hilft. Für Pflaster, Stufen und schmale Gehwege ist ein Koffer mit großen Rollen oder eine weiche Reisetasche angenehmer als ein schwerer Hartschalenkoffer.

Wer mit dem Mietwagen kommt, stellt ihn am besten in eine der öffentlichen Tiefgaragen, etwa unter dem Parc de la Mar zu Füßen der Kathedrale oder unter der Plaça Major. Für die Altstadt selbst brauchen Sie das Auto nicht, gebraucht wird es erst für Ausflüge an die Küste oder auf den Golfplatz.

Die beste Reisezeit

Frühling und Herbst sind die schönsten Jahreszeiten für ein Stadtpalast-Hotel. Von März bis Juni und von September bis November ist es meist warm genug für das Frühstück im Patio und lange Abende auf der Dachterrasse, und die Gassen gehören den Spaziergängern. Im Hochsommer wird es in der Stadt heiß; dann zeigen die dicken Mauern ihren Wert, und der kleine Pool auf dem Dach wird zum Lieblingsplatz. Der Winter ist mild und ruhig, und in Museen, Kirchen und Markthallen haben Sie mehr Platz als im Sommer.

Stadt, Golf und Meer an einem Tag

Ein Zimmer in der Altstadt ist ein guter Ausgangspunkt für alles, was Mallorca rund um Palma bietet. Zum Einkaufen liegen der Passeig des Born, die Avinguda de Jaume III und die Carrer de Sant Miquel vor der Tür. Golfer erreichen in den Hügeln von Son Vida am nordwestlichen Stadtrand gleich mehrere Plätze nach kurzer Fahrt, weitere liegen an der Südwestküste. Und das Meer ist nah: Der Stadtstrand Can Pere Antoni beginnt an der Uferpromenade östlich des Parc de la Mar, westlich der Stadt warten die Buchten von Cala Major und Illetes.

So sieht ein guter Tag aus: morgens eine Runde Golf oder ein Bad im Meer, mittags zurück in die kühlen Mauern, am Nachmittag eine Stunde im Patio und am Abend ein Spaziergang durch Sa Llotja. Alles zu Fuß, ohne Auto, mitten in einer Stadt, die ihre schönsten Räume hinter ihren Toren bewahrt.

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